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Juni- ein besonderer Monat für Kopfschmerzen

Der Juni ist der Migraine & Headache Awareness Month (MHAM). Zu Deutsch: Der Monat für Migräne und Kopfschmerzbewusstsein. Zugegeben: der deutsche Begriff ist sehr sperrig. Deswegen bevorzuge ich den Englischen.

Das Ziel dieses Monats ist es, Kopfschmerzen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und Vorurteile zu reduzieren. Kurz gesagt: mehr Verständnis für Kopfschmerz-Betroffene zu schaffen.

Migraine & Headache Awareness Month

Ist das überhaupt nötig?

Auf jeden Fall. Ich habe inzwischen schon so viele Vorurteile über Menschen mit Kopfschmerzen gehört, dass ich schon allein davon Kopfschmerzen bekomme.

Dazu gehören:

„Der/die hat doch einfach keine Lust zu arbeiten.“

„Das ist doch alles nur vorgetäuscht!“

„Er/sie ist einfach nicht belastbar.“ „Hab dich nicht so!“

usw.

Jeder Kopfschmerzpatient hat mindestens einen und vielleicht noch viele andere dieser Sätze schon gehört. Meist kommt er von Menschen, die das große Glück haben, selten bis nie an Kopfschmerzen zu leiden. Ihr Problem ist, dass sie sich nicht in Menschen mit Kopfschmerzen hinein versetzen können. Schließlich sieht man überwiegend den Kopfschmerz nicht.

Unsichtbare Beschwerden

Keine/keiner außer dir weiß, wie stark deine Kopfschmerzen sind. Keine/Keiner weiß, wie schrecklich sich das Geräusch oder das helle Licht gerade für dich anfühlt. Und dann ist der Kopfschmerz vorbei und schnell bist du wieder die oder der Alte. Wenn dein Gegenüber nicht selbst Kopfschmerzen kennt, dann ist er schnell skeptisch.

Woher kommen diese Vorurteile?

Kopfschmerzen, besonders Migräne, treten gern in stressigen Situationen auf. Meist in dem Moment, wenn es für dich um alles geht. Sagen wir als Beispiel: du willst einen wichtigen Vortrag vor dem Kollegium halten, um zu zeigen, dass du für die ausgeschriebene Stelle geeignet bist. Dann kommt dieser Schmerz und legt dich flach. Für einen Außenstehenden mag es wirklich so aussehen, als würdest du dich um diese Aufgabe drücken. Natürlich kannst du auch mit deinen starken Schmerzen versuchen, den Vortrag zu halten, aber schön ist was anderes.

Nun wechseln wir einmal in Haut einer deiner Kolleginnen. Sie hat sich gegenüber der anderen Kollegen und des Chefs für dich stark gemacht und findet, dass du die neue Stelle verdienst. Nun scheinst du vor deinem Vortrag zu schwächeln. Sie kann deinen Schmerz nicht sehen. Du traust es dir nicht, ihr von deinen Schmerzen zu erzählen. Und schwups treten in ihrem Kopf Zweifel und Vorurteile auf. 

Aber vielleicht erzählst du ihr auch, dass du Migräne hast. Wenn sie noch nie eine Migräne hatte, kann sie diese nicht nachvollziehen. Möglicher Weise weiß sie auch nicht, wie belastend Kopfschmerzen sein können. Deswegen kann es auch hier zu Vorurteilen kommen.

Deshalb ist der MHAM so wichtig. Er soll aufklären, dass Kopfschmerzen mehr als nur eine schnöde Ausrede sind.

Kopfschmerzen als Behinderung

Einige beschreiben Kopfschmerzen als unsichtbare Behinderung. Ich kann diesen Begriff sehr gut nachvollziehen, aber ich möchte ihn nicht nutzen. Ich finde den Begriff sehr stigmatisierend, da viel Behinderungen (wie zum Beispiel ein fehlender Arm oder eine Querschnittslähmung) unwiderruflich sind. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass die meisten Kopfschmerzen mit konsequentem Hinterfragen der Ursachen, behandelt werden können. 

Ich sehe Kopfschmerzen eher als eine Challenge, die dir das Leben stellt. Es ist deine Aufgabe, einen Weg zu finden, mit ihnen umzugehen oder auch nicht. Sie können ohne Frage eine Behinderung sein, die dein Leben stark einschränken. Dennoch ist das Ziel diese „Behinderung“ möglichst klein zu halten.

Eigene Vorurteile

Auch Kopfschmerz- und Migräne-Betroffene haben häufig (zumeist unterbewusst) Vorurteile gegenüber den eigenen Beschwerden. Schließlich ist es eine Schwäche, die vor allem im Arbeitsleben verschwiegen werden sollt. Sie lässt einen ja nicht wertvoll für den Chef oder die Chefin erscheinen. Ich kann diese Gedanken sehr gut verstehen. Ich möchte dir auch nicht empfehlen, dass du sofort zu deinem Chef rennst und ihm im Detail deine Kopfschmerz-Historie beschreibst. Ich möchte, dass du erst einmal mit dir selbst anfängst.

Nutze doch diesen Monat für dich selbst, um ein Bewusstsein für deinen Kopfschmerz zu kreieren: Was denkst du über deinen Kopfschmerz? Woran hindert er dich? Magst du vielleicht auch etwas an deinem Kopfschmerz?

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